Interview mit Kristen Truempy (Botschafterin der positiven Psychologie) — Teil 3 — Wie du dich motivierst, täglich eine Glücksroutine umzusetzen

Wer möchte schon nicht ein erfülltes und glückliches Leben führen?

Kristen Truempy hat positive Psychologie studiert und ist Botschafterin der positiven Psychologie. Sie podcastet regelmässig zum Thema (über 550'000 Downloads), gibt Kurse an der Volkshochschule Zürich und Einzelcoachings. Weitere Informationen findest du auf Kristen's Webseite http://strengthsphoenix.com/.

Ich durfte Kristen per Skype über die positive Psychologie und zum Thema Glück interviewen. Das Gespräch war total lustig, spannend, und voll von positiver Energie.

In Teil 3 geht es nun darum, wie man seine Kinder beim Glücklichsein unterstützen kann, ob Glück wirklich ansteckend ist und wie man sich motivieren kann, eine tägliche Glücksroutine zu entwickeln und auch wirklich umzusetzen. 

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Teil 1 von unserem Gespräch findest du hier.

Teil 2 von unserem Gespräch findest du hier.

Teil 4 von unserem Gespräch findest du hier.

Du hast es in Teil 2 kurz angetönt, dass man bereits in der Schule lernt, dass Fehler machen nicht gut ist. Und man es dann besser sein lässt. Ich möchte dort anschliessen. Wenn man selber Kinder hat, was kann man tun, um den Kindern – wie soll ich sagen – das Glücklichsein beizubringen bzw. es ihnen zu erleichtern, dass sie selber glücklich sind?

Ich glaube Eltern wissen genau, dass die Kinder sich eigentlich herzlich wenig dafür interessieren, was wir ihnen sagen.  Da geht es ums Vorleben. Es ist eines, wenn wir unseren Kindern sagen, es sei wichtig, dass sie Freunde am lernen haben. Aber jedes mal selber stöhnen, wenn wir etwas lernen müssen. Das kommt nicht gut, die Kinder merken das. Da hatte ich zum Beispiel grosses Glück, weil meine Mutter mit vierzig Jahren eine sehr anspruchsvolle Ausbildung begann, die viereinhalb Jahre gedauert hat. Und da hat sie jeden Abend gelernt. Damals war ich noch nicht wirklich gut in der Schule, es war noch nicht so die Idee, dass ich später an der Uni studieren möchte, das war für mich sehr weit hergeholt. Und ich denke, das hat mich sehr beeinflusst, dass meine Mutter das wirklich vorgelebt hat.

Das Vorleben ist sicher das wichtigste. Aber es gibt noch andere Aspekte, die sehr wichtig sind. Wir loben ja oft das Ergebnis. Zum Beispiel eine gute Note bei einer Prüfung. "Oh das hast du super gemacht, du bist ein intelligentes Kind". Aber was ist, wenn das Kind jetzt plötzlich eine schlechte Note hat? Ist das Kind dann plötzlich nicht mehr intelligent? Das heisst, selbst wenn es eine gute Note hat, kreiert man, dass sich das Kind in diesem Moment gut fühlt. Aber langfristig ist es gefährlich. Wenn man jedoch die Leistung lobt, wenn man sagt, "hei, was hast du gemacht, um diese gute Note zu erreichen"? Dann legt man den Fokus auf den Effort, auf die Leistung, auf die Stärke.

Jetzt zu was ganz anderem. Manchmal hat man den Eindruck, dass glücklichere Menschen noch mehr Glück anziehen. Man sagt ja auch, dass Glück ansteckend ist. Kannst du was dazu sagen?

Wir hatten bei uns einen Forscher, Matthew Smith, der hat ein Buch geschrieben mit dem Titel  „go lucky yourself“. Das heisst so viel wie „geh und glück dich selber“, was natürlich auf Englisch viel kontroverser klingt als auf Deutsch. 

Er hat folgendes herausgefunden: Er hat gemerkt, dass Leute, die glücklicher sind, gute und positive Möglichkeiten bewusster und sensitiver wahrnehmen.  Was meine ich damit? Niemand von uns kann alle Millionen Eindrücke verarbeiten, die alle paar Sekunden auf uns einprasseln. Das heisst, unser Gehirn hat genau gelernt, worauf wir Wert legen.  Ich zum Beispiel habe mir wirklich angewöhnt, dass ich Wert darauf lege, die Bäume, Tiere oder andere Dinge anzuschauen, die mir Freude machen. Das heisst, am Anfang musste ich das bewusst trainieren. Aber mit der Zeit merkt mein Gehirn, ah, das ist wichtig für dich, weisst du was, dann machen wir das automatisch. Das heisst, Leute die glücklicher sind, sehen sozusagen den Zipfel der Möglichkeit besser.

Er hat über Versuche berichtet, wo er Geld auf den Boden geworfen hat. Die Leute haben vorher einen Fragebogen ausgefüllt, wo man den Level an Optimismus und Pessimismus gemessen hat. Dann hat er Geld auf den Boden geworfen und die Leute sind vorbeigegangen. Und die Optimisten haben das Geld gesehen. die Pessimisten haben das Geld nicht gesehen. Das heisst eigentlich, dass je mehr wir darauf achten, was eine Möglichkeit sein könnte, desto eher sehen wir sie. Das ist ein bisschen ähnlich, wie wenn man sagt, ja jetzt gehe ich aus dem Haus und ich schaue mir alles an, was gelb ist, und dann merkt man plötzlich, dass die Welt voller gelber Dinge ist. Das ist ähnlich mit Möglichkeiten .

Das andere, und das ist ein völlig anderer Aspekt, ist aber auch, dass Leute, die glücklicher sind, ja nicht unbedingt einfach wegen der Genetik glücklich sind. Oft hatten Leute, die sehr aufgestellt daherkommen, irgendwelche Schlüsselerlebnisse. Man muss diese Leute mal fragen, das lohnt sich. Ich rate jedem Leser, der jemanden kennt, der besonders glücklich und aufgestellt ist, diese Person zu fragen, woher das kommt oder wie sie das macht. Ja, es gibt ein paar Leute, die sind einfach genetisch gesegnet sozusagen. Aber dann gibt es auch viele Leute, die bewusst sagen, dass sie gelernt haben sich einfach mehr auf die anderen Dinge zu konzentrieren. Und diese Menschen haben dann auch die Disziplin, sich zum Beispiel an diese Glücksgewohnheiten zu halten, und dann kommen sie natürlich etwas mehr in eine positive Spirale. Man fühlt sich besser, man hat mehr Energie, dann kann man vielleicht auch bei cooleren Dingen mitmachen, dies bietet wiederum neue Möglichkeiten, wenn man bei coolen Dingen mitmachen kann.

Hast du für unsere Leser einen konkreten Tipp, wie du vorgehen würdest? Wie kann man es trainieren, dass man bewusster auf die positiven Dinge schaut?

Die einfach Mainstream-antwort ist natürlich, dass man sich einfach eine Meditationsapp herunterlädt, und 10 Minuten am Tag meditiert. Das ist etwas, was ich wirklich jedem empfehlen kann. Für Leute, die Angst haben vor dem Wort Meditation, sei gesagt, es hat mit der Religion sehr sehr wenig zu tun. Es hat nichts mit Buddhismus in dem Sinne zu tun, man kann auch meditieren, wenn man gläubiger Christ ist.

Wenn man das schon 100 Mal gehört hat, dann würde ich einen anderen Ratschlag geben. Ganz einen einfachen, sucht euch aus was immer ihr wollt, ihr könnt euch ein Zitat zu Herzen nehmen oder eine Gewohnheit und tut es, eine längere Zeit. Viele Leute wissen wie wichtig diese Dinge sind, zum Beispiel Dankbarkeit, aber machen wir es wirklich jeden Abend?

Noch zur Meditationsapp, irgendeine oder denkst du an eine spezielle?

Ich denke an eine spezielle, aber diese ist auf Englisch. Ich benutze Calm and Headspace. Hier findest du die Links: http://strengthsphoenix.com/apps-manage-happiness/

Ich habe auf Deutsch ehrlich gesagt nicht nachgeschaut. Es gibt die 7-Minuten Meditationsapp, aber ich habe diese nicht selber getestet. Habe jedoch schon gutes darüber gehört.

Anmerkung: Empfehlenswert ist zum Beispiel auch die App "Insight time"

Wie du sagst, einige hilfreiche Dinge kennt man eigentlich, zum Beispiel abends auf den Tag zu schauen und die Dinge aufzuschreiben, für die man dankbar ist. Und doch ist es so, dass es viele nicht machen. Hast du einen Tipp, wie man sich selber am besten motivieren kann, damit man das eine Weile durchzieht?

Es ist wichtig, dass man das Ziel sehr niedrig hält. Sehr niedrig, also fast so, dass man denkt, das bringt ja fast gar nichts. Weil kein Mensch, nicht mal ein Präsident oder Bundesrat kann behaupten, er habe nicht sieben Minuten Zeit. Es gibt kein Argument. Und wenn man doch ein Argument hat, dann schreibe doch den Grund auf, warum man es nicht gemacht hat. Dann hat man mal einen Katalog der besten ausreden und kann sich später darum kümmern.
Aber wenn man wirklich mit etwas anfängt, dass extrem klein ist, dann ist es einfacher, das einfach zu machen als sich dann den ganzen Tag schuldig zu fühlen, weil man es nicht gemacht hat.

Es gibt ja dann auch wieder ein Glücksgefühl, wenn man es gemacht hat.

Absolut.

Und dazu vielleicht noch ein wichtiger Punkt. Wir sind vielleicht manchmal etwas zu steif. Sagen wir mal, jeder weiss, Sport würde uns gut tun. Und die meisten scheinen sich zu fragen, ob sie in ein Fitnessstudio gehen sollen, oder zu joggen anfangen. Und beides entspricht einem nicht. Aber gut, es gibt etwa 8000 Sportarten auf dieser Welt. Es ist egal. was man macht, man kann mal einen Tag Rollschuh fahren und dann am nächsten Golf spielen. Es ist komplett egal, manchmal muss man sich nicht zu fest versteifen und einfach Spass haben.

Wenn man etwas findet, was einem wirklich Spass macht, ist ja auch die Chance höher, dass man es wiederholt.

Ja, und auch wenn man etwas findet, was einem vielleicht sechs Monate Spass macht und dann nicht mehr, ist das ja auch nicht schlimm. Dann muss man ja dann nicht sieben Monate Schuldgefühle haben, sondern man sucht sich einfach das nächste was einem Spass macht.

Teil 1 von unserem Gespräch findest du hier.

Teil 2 von unserem Gespräch findest du hier.

Teil 4 von unserem Gespräch findest du hier.


Über Kristen Truempy

Kristen Truempy hat positive Psychologie studiert (Master in London).
Sie versteht sich heute als Botschafterin der positiven Psychologie.

http://strengthsphoenix.com/

Foto: Kristen Truempy

Anna Hirsiger

Bei Anna steht deine Gesundheit im Zentrum. Als Ernährungscoach und Homöopathin unterstützt sie dich dabei, deine Gesundheit zu verbessern. Natürlich - ganzheitlich.