Akzeptanz – das missverstandenste Wort auf dem Genesungsweg

März 27, 2026

Naturweg als Symbol für den Weg mit ME/CFS und Long Covid

Es gibt ein Wort, das ich in meiner Arbeit mit Menschen mit ME/CFS und Long Covid immer wieder höre – und das fast immer missverstanden wird.

Akzeptanz.

Wenn ich es erwähne, sehe ich oft eine stille Abwehr. Eine innere Anspannung. Als ob Akzeptanz bedeuten würde: aufgeben. Resignieren. Sich damit abfinden, dass es nie besser wird.

Aber genau das ist es nicht.

Akzeptanz ist keine Kapitulation

Akzeptanz bedeutet nicht, dass du deine Symptome liebst. Dass du dich mit deiner Situation zufrieden gibst. Oder dass du keine Hoffnung mehr hast.

Akzeptanz bedeutet: Ich kämpfe in diesem Moment nicht gegen das, was gerade ist.

Das klingt klein. Ist es aber nicht. Denn dieser innere Kampf – das ständige Hadern, Widerstehen, Nicht-wahrhaben-Wollen – kostet unglaublich viel Energie. Energie, die dein Körper dringend anderweitig braucht.

Dein Nervensystem registriert diesen Widerstand. Es interpretiert ihn als Bedrohung. Und bleibt deshalb in Alarmbereitschaft – auch dann, wenn du eigentlich ruhst.

Wenn Annehmen schwerer ist als Kämpfen

Viele Menschen, die mit chronischer Erschöpfung leben, kennen ein bestimmtes Muster – vielleicht erkennst du dich darin wieder:

Da ist die Angst vor den Symptomen, die einen schon morgens beim Aufwachen erwartet. Der Drang, sofort etwas dagegen zu tun, etwas zu finden, etwas zu fixen. Die Aufmerksamkeit, die wie ein Magnet immer wieder zu den Beschwerden gezogen wird. Die Frustration, wenn es trotz aller Bemühungen nicht besser wird. Und der stille, erschöpfte Kampf gegen den eigenen Körper, der einfach nicht so funktioniert, wie man es sich wünscht.

Ich habe darüber in einem anderen Artikel bereits ausführlicher geschrieben – über diese fünf Muster, die den Kreislauf chronischer Symptome aufrechterhalten können, und wie man sie erkennt. Heute möchte ich auf das eingehen, was danach kommt: die Frage, wie echte Akzeptanz eigentlich aussieht.

Was Akzeptanz wirklich bedeutet

Echte Akzeptanz ist eine aktive Haltung. Sie ist keine Passivität, sondern eine bewusste Entscheidung, die du immer wieder neu treffen kannst – manchmal mehrmals täglich.

Sie klingt vielleicht so:

„Ich mag diesen Moment nicht. Mein Körper fühlt sich schwer an, und das ist nicht angenehm. Aber ich muss jetzt nicht dagegen ankämpfen. Ich darf einfach hier sein."

Das ist kein Trick. Kein positives Denken. Es ist ein echtes, ehrliches Loslassen des Widerstands – auch wenn die Symptome bleiben.

Und genau da passiert etwas Interessantes: Wenn du aufhörst, gegen etwas anzukämpfen, verliert es oft einen Teil seiner Schwere. Nicht immer. Nicht sofort. Aber das Nervensystem beginnt, sich zu entspannen. Die Alarmbereitschaft sinkt. Der Körper bekommt Raum.

Akzeptanz üben – aber wie?

Akzeptanz ist keine Eigenschaft, die man hat oder nicht hat. Sie ist eine Fähigkeit, die man üben kann – in kleinen Momenten, im Alltag.

Ein paar Möglichkeiten, die ich hilfreich finde:

Benenne, was ist – ohne es zu bewerten.
Statt „Ich fühle mich schrecklich und das ist so unfair" vielleicht: „Ich bemerke Schwere in meinen Beinen. Ich bemerke, dass ich müde bin." Benennen schafft Distanz. Und Distanz schafft Raum.

Frag dich: Wogegen kämpfe ich gerade?
Oft ist es nicht das Symptom selbst, das erschöpft – sondern der Widerstand dagegen. Diese Frage hilft, den Unterschied zu spüren.

Erlaube dir, heute genau dort zu sein, wo du bist.
Akzeptanz bedeutet auch: Du musst heute nicht weiter sein als gestern. Der Genesungsweg ist nicht linear – und das ist keine Niederlage.

Ein letzter Gedanke

Akzeptanz ist vielleicht das Mutigste, was du auf diesem Weg tun kannst. Nicht weil es einfach ist. Sondern weil es bedeutet, den Kampf gegen dich selbst zu beenden.

Und das – das ist der Anfang von etwas.

Mehr zur 1:1 Begleitung bei ME/CFS & Long Covid

Für Betroffene, die sich auf ihrem Weg Unterstützung wünschen – persönlich, behutsam, in deinem Tempo.

{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}

Ähnliche Beiträge

März 30, 2026

März 18, 2026

März 17, 2026

Februar 10, 2026

Nichts mehr verpassen! Newsletter abonnieren

>