Umgang mit Krankheit. Was kann man tun, um besser mit chronischer Krankheit umgehen zu können? Teil 3 – Selbstfürsorge

April 12, 2021

Umgang mit Krankheit: Selbstfürsorge

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Sind wir zu uns so gut wie zu unseren Freunden oder Kindern?

Häufig sind wir zu uns selber viel härter und strenger, als wir das mit unseren besten Freunden sind.

Wenn es unseren Freunden nicht gut geht, denken wir nicht mal daran, sie irgendwie noch dafür zurechtzuweisen oder sogar zu beschuldigen. Wir hören ihnen einfühlsam zu und unterstützen sie, so gut es uns nur möglich ist.

Wir machen ihnen Mut, versuchen sie zu trösten, aufzumuntern und versuchen ihnen zu helfen, liebevoll und freundlich mit sich selber umzugehen.

Aber wie ist es, wenn es uns selber nicht gut geht? Wie steht es mit unserer Selbstfürsorge?

Wie wertschätzend und liebevoll sind wir mit uns? Gehen wir nicht häufig zu stark ins Gericht mit uns? Verurteilen uns? Sagen uns selber, wie unfähig wir sind? Schelten unseren Körper, dass er nicht funktioniert? Sehen ihn vielleicht sogar als Feind an, weil uns gesagt wurde, dass sich unser Körper selber angreift (Autoimmun-Krankheit). Sind irgendwie unzufrieden mit uns selber, weil wir es nicht auf die Reihe kriegen?

Sich selber Achtsamkeit und Mitgefühl schenken

Ich kann nur von mir sagen, ich kenne das nur zu gut. Auf meiner langen Reise mit ME/CFS (Was das ist, liest du in diesem Blog), hatte ich häufig das Gefühl, dass mich mein Körper im Stich lässt. Ich hätte ihn mit Füssen treten können (und habe das wohl leider ab und an auch gemacht). Ich war so wütend auf ihn, dass er mich nicht mein Leben leben liess. Ich war so frustriert, dass er mir nicht gehorchte.

Heute weiss ich, er hat immer sein Bestes gegeben. Er kann nichts dafür, dass er krank ist, und ich auch nicht. Kein Teil von mir kann etwas dafür. Falls dich meine persönliche Geschichte über meine Schuldgefühle interessiert (und wie ich diese loswurde), findet du hier meine Erzählung.

In diesem Blog möchte ich darüber schreiben, wie unglaublich wertvoll und entspannend es ist, wenn wir uns selber Aufmerksamkeit schenken und auch mit uns selber Mitgefühl haben. Wenn wir zu uns selber liebevoll sind und uns genauso gut behandeln, wie wir das mit den besten Freunden oder unseren Kindern machen.

Wenn wir für uns selber da sind und für unser eigenes Wohlbefinden sorgen. Uns selber auf Augenhöhe begegnen. Wenn wir uns Zuwendung und Trost geben und mit uns selber einen liebevollen Umgang pflegen.

Selbstfürsorge hat so viele Facetten, sei es zum Beispiel körperliche, emotionale, soziale oder spirituelle Selbstfürsorge. Da könnte man über jeden Bereich so viel wertvolles zusammentragen. Ich picke hier fünf Punkte heraus und beschreibe näher, was du konkret tun könntest:

Selbstfürsorge Tipp 1:
Höre auf dich und deinen Körper und tue das, was dir gut tut

Vielleicht hast du auch ein ME/CFS, oder eine andere chronische Krankheit.

Etwas, was wirklich eine Herausforderung ist (für mich war und ist es die grösste überhaupt an meiner Krankheit), ist gut auf seinen Körper zu hören und seinem Bedürfnis auch wirklich nachzugehen. Die Signale wahrzunehmen und einzuordnen, wann der Körper und man selber Ruhe braucht. Und sich dann auch die Ruhe zu nehmen.

Selbstfürsorge: Die Grenzen akzeptieren

Weil häufig sind wir so getrimmt auf Leistung und Aktivität, dass wir uns bis (weit) über die Grenzen pushen. Vielleicht erwartet unser Umfeld von uns Leistung. Oder ein Arzt/eine Ärztin, oder eine Therapeutin will dich gut gemeint animieren, deine Grenzen auszuloten und zum Beispiel leichten Sport zu machen um deine Kondition zu steigern.

Im Fall von ME/CFS, kann das kontraproduktiv sein. Häufig ist jedoch dieses Krankheitsbild noch nicht zureichend bekannt, dass diese Empfehlungen immer noch ausgesprochen werden.
Oftmals sind wir es aber auch selber, die uns einen enormen Druck machen.

Ich kenne das von mir selber, aber auch von vielen anderen, die an ME/CFS oder an einer anderen chronischen Krankheit leiden.

Jedoch ist es so sehr wichtig, speziell auch bei ME/CFS, nicht über die Grenzen zu gehen und zu lernen, dem Körper genügend Ruhepausen zu geben. Denn tut man das nicht, kann sich der Zustand danach verschlechtern.
Daher heisst es, auch gut gemeinte Ratschläge zu ignorieren, falls sie einem nicht gut tun.

Ausruhen und nichts tun

Also auch einfach nichts tun. Nichts tun und ausruhen unterstützt den Körper. Sich erlauben, einfach im Bett oder auf dem Sofa zu liegen. Das heisst ja nicht, man soll nur noch liegen (ausser man ist so schwer betroffen, dass eben nur noch liegen geht).

Man sucht aber seine ganz eigene Balance, wie es einem am besten geht. Das kann man selber am besten spüren. Es ist wichtig herauszufinden, wie viel Aktivität und Ruhephasen einem gut tun.

Und wenn man ausruhst, daran denken, dass man sich und seiner Gesundheit damit etwas Gutes tut. Und nein, man ist deswegen nicht weniger wert. Ganz und gar nicht.

Vielleicht kennst du das auch, dass du dir über deine Leistung und Aktivität einen Wert gibst? Auch hier ist es so wichtig, davon wegzukommen und den Wert in seinem Sein zu finden, und nicht in dem, was man leistest oder nicht.

Unsere Essenz ist wertvoll, egal ob man was leistet oder nicht.

Und sowieso, wenn ich schon beim Wort Leistung bin, ich finde es ist eine grossartige Leistung, mit einer chronischen Krankheit umzugehen und dies zu managen. Das verlangt jeden Tag so viel von einem ab. Schon nur dafür kann man unglaublich stolz auf sich sein.

Selbstfürsorge Tipp 2:
Gönne dir genug Schlaf

Der Schlaf ist enorm wichtig für unsere Regeneration. Wenn man eine chronische Krankheit hat, ist es umso wichtiger, dem Körper regelmässig genug Schlaf zu gönnen.

Dazu ist es wesentlich, auf einen ruhigen und angenehmen Schlafplatz zu achten. Auch können einem abendliche Rituale helfen, sich auf die Schlafphase einzustimmen. Sei es zum Beispiel einen beruhigenden Tee zu trinken, entspannende Musik zu hören, das Licht zu dimmen oder eine Kerze anzuzünden. Auch meditieren oder Tagebuch schreiben können dabei unterstützend wirken. Es lohnt sich herauszufinden, was einem gut tut, damit das Nervensystem herunterfahren kann.

Selbstfürsorge - Pausen und erholsamer Schlaf

Wenn man Schlafprobleme hat - was beim ME/CFS relativ häufig ist -, macht es allenfalls auch Sinn, sich Unterstützung zu suchen, um diese anzugehen. Es gibt zahlreiche Supplemente und Kräuter, die einem helfen können, seinen Schlaf zu verbessern.

Weitere hilfreiche Infos zum Thema Schlaf finden sich übrigens in diesem Blog: Wie du deinen Schlaf verbessern kannst und welchen Einfluss die Ernährung auf den Schlaf hat

Selbstfürsorge Tipp 3:
Gute Ernährung

Selbstfürsorge - nährstoffreiche Ernährung

Auf eine individuell passende und gesunde Ernährung zu achten, ist zentral. Den Körper mit wertvollen Vitaminen und Mineralstoffen zu versorgen ist sowieso wichtig, wenn man jedoch unter einer chronischen Krankheit leidet, noch einmal wichtiger.

Die wichtigsten Grundpfeiler einer gesunden Ernährung

  • Viel frisches Gemüse, Blattgrün und Obst versorgt uns mit wichtigen Nährstoffen
  • Vermeiden von Fertigprodukten mit vielen Zusatzstoffen
  • Genug trinken
  • Vermeiden von Alkohol und Kaffee

Hol dir Hilfe fürs Einkaufen und Kochen

Sich um eine gesunde Ernährung zu kümmern, kann sehr hart und herausfordernd sein, wenn man keine Energie hat, um einzukaufen und zu kochen. Aber auch hier, es lohnt sich, sich Hilfe zu holen (siehe nächsten Punkt). Man kann Familie und Freunde fragen, ob sie für einem einkaufen und einem auch mal was kochen können. Oft sind Leute aus dem Umfeld dankbar, wenn sie was Konkretes haben, wie sie einem unterstützen können.

Lieferdienst von Lebensmitteln und Mahlzeiten

Mittlerweile gibt es auch ein breites Angebot an Lieferdiensten von den Lebensmittelgeschäften (zum Beispiel bei Migros oder Coop). Auch eine solche Online-Einkaufs-Bestellung kann eine Entlastung sein, so wird das Eingekaufte direkt an die Türe gebracht. 

Zudem gibt es auch zahlreiche Mahlzeiten-Lieferdienste, allenfalls kann auch das Entlastung bringen. Auch wenn man sich nach den Lehren von Anthony William ernährt, gibt es diesbezüglich bereits erste Angebote in der Schweiz, wie zum Beispiel das von Lucia: https://eat-with-me.com/

Auf Vorrat kochen

Wenn man die Kraft hat selber zu kochen, kann man auch extra grosse Portionen machen und diese einfrieren. So hat man für die ganz schlechte Tage Vorrat.

Selbstfürsorge - auf Vorrat kochen

Falls man keinen Tiefkühlapparat hat, lohnt sich ev. die Anschaffung eines solchen. Die sind heutzutage recht preiswert, und es kann einem Erleichterung bringen, dort immer essen zu haben, falls an manchen Tagen die Kraft zum Kochen fehlt.

Selbstfürsorge Tipp 4:
Unterstützung und Hilfe annehmen

Hilfe anzunehmen, kann für einige Menschen ein grosses Thema sein. Auf jeden Fall war das bei mir der Fall. Ich wollte alles unbedingt selber schaffen und fühlte mich schwach, wenn ich um Hilfe bitten musste. Heute sehe ich es als ein Akt von Selbstfürsorge, dass ich mir Hilfe hole und Hilfe annehme.

Hilfe auf diversen Ebenen:

  • Sei es psychologische Hilfe um besser mit den Herausforderungen umgehen zu können, die eine chronische Krankheit mit sich bringt.
  • Sei es auf körperlicher Ebene, um auch medizinisch und komplementärmedizinisch begleitet zu werden. Eine gute ärztliche Begleitung, wo man sich wohl fühlt, ist wichtig. Bei Bedarf ergänzt mit alternativen Therapien, die einem ansprechen und guttun (sei das Massage, Homöopathie, Kinesiologie, oder was auch immer)
  • Sei es im Haushalt. Allenfalls gibt es die Möglichkeit von Spitex oder einer Haushaltshilfe. Auch dies kann Entlastung bringen im Alltag mit einer chronischen Krankheit.
    Ich selber habe zum Beispiel eine Reinigungsfee, die uns jede Woche 1,5 h unterstützt und entlastet. Für mich macht das wirklich viel aus.

Selbstfürsorge Tipp 5:
Box für akute Krise zusammenstellen

Es gibt diese Tage, wo einfach zu allem noch viel mehr dazukommt, und dann geht irgendwie gar nichts mehr. Kennst du solche Tage auch?

Für solche Tage kann es sich lohnen, vorgängig eine Box zusammenzustellen.

Und zwar kann man Dinge in dieser Box sammeln, die einem Freude machen oder einem aufstellen.

Das können Gegenstände sein, die einem positiv stimmen und den Fokus auf was Schönes lenken. Zum Beispiel Fotos von schönen Erinnerungen oder einen lieben Brief, den man mal erhalten hat.

Oder man kann auch Dinge auf einen Zettel schreiben, die einem aufmuntern.

Oder Dinge in die Box legen, die einem zu einem ruhigen Vorhaben einladen, also zum Beispiel ein feines Badesalz (falls einem ein Bad entspannt) oder einen Teebeutel von einem leckeren Tee, den man gerne trinkt.

Am besten lässt man für die Zusammenstellung dieser Box seiner Kreativität freien Lauf. Man kann diese Kiste auch ständig erweitern.

Wenn dann einer dieser Tage kommt, wo man denkt, dass man im Ecken verzweifeln könnte, dann nimmt man diese Akute-Krisen-Box hervor und sucht sich irgendwas aus, was einem ein bisschen aufmuntert.

Und wichtig ist dabei, es geht jetzt nicht darum, um 180 Grad eine Wende zu machen. Es geht einfach nur darum, dass man sich 1% besser fühlt. Einfach nur das.

Denn zusätzlicher Stress, man sollte sich nun so und so fühlen, das kann man in diesem Moment nicht gebrauchen. Aber es kann einem helfen, sich bewusst selber etwas liebevolles zu tun oder sich an etwas Aufmunterndes zu erinnern. Die schönen Sachen in der Box werden einem dabei helfen. Und immer daran denken, es geht nur um 1%. Das ist möglich. Und es funktioniert. 

Ich hoffe diese konkreten Tipps konnten dich inspirieren, wie du deine Selbstfürsorge stärken kannst. Probiere es doch mal aus, und schick mir gerne eine Mail, ob es geholfen hat.

Alles Liebe, Anna

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