Viele Gemüse und Früchte auf dem Tisch

Interview mit La Gourmerina (Kochbloggerin) — Wo du viele Rezeptideen findest und warum es sich lohnt, selber den Kochlöffel zu schwingen

Kennst du das, dass du manchmal im Einkaufszentrum oder in der Küche stehst, und einfach nicht weisst, was du heute kochen sollst? Oder ist es sogar bei dir so, dass du denkst nicht kochen zu können, aber irgendwie doch Lust hättest das mal zu lernen?

Dann ist dieses Interview mit La Gourmerina genau das Richtige für dich.

La Gourmerina führt seit 2011 einen Kochblog mit Rezepten und Wissen rund um Ernährung. Auf Ihrem Blog finden sich zahlreiche Rezepte (auch bei Allergien und Unverträglichkeiten geeignet), die ganz einfach zum Nachkochen sind… aber lies selber, was La Gourmerina alles zu erzählen hat.

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Herzlich Willkommen La Gourmerina, schön dass du da bist.

Hallo liebe Anna, vielen dank, dass ich hier mitmachen darf, ich fühle mich sehr geehrt.

Erzähl doch mal ein bisschen von dir, wie bist du dazu gekommen, einen Kochblog zu starten?

Das ist eine gute Frage und eine etwas längere Geschichte, die ich hier versuche kurz zu halten. Im 2007 bemerkte ich, dass ich viele Lebensmittel nicht gut vertrug. Ich hatte immer Bauchschmerzen nach dem Essen und dachte mir, das kann doch nicht sein, da muss etwas dahinter stecken. Ich realisierte dann, dass es wirklich an den Lebensmittel lag und wusste jedoch nicht genau, auf welche Lebensmittel ich mit Bauchschmerzen reagierte.

Da Essen etwas zentrales ist im Leben und die Energie für den Körper gibt, begann ich selber zu kochen. Deshalb gründete ich dann auch diesen Kochblog. Ich realisierte auch, dass der Spass am Essen und am Kochen für mich sehr zentral ist, denn ich esse sehr gerne. Ich begann viele Rezepte von Freunden und von der Familie zu sammeln. Da ich selber nicht kochen konnte, entschied ich mich, mit all diesen Rezepten für mich selber ein Kochbuch zu machen, inklusive Foto vom gekochten Menu. So sah ich dann jeweils auch bei den einzelnen Rezepten, ob ich diese vertrug oder nicht.

Viele meiner Freunde fanden das Kochbuch eine tolle Sache und wollten dies bei mir bestellen. Ich merkte, dass ich mit 600 Rezepten nicht so einfach auf die schnelle ein Kochbuch erstellen konnte. So entstand die Idee für den Blog.

Jede Woche lade ich neue Rezepte hoch und teile diese mit meinen Freunden und Familie und mittlerweile auch Unbekannten, was mich sehr freut.

Das heisst, alle Rezepte, die man auf dem Blog findet, probierst du vorher selber aus und machst auch grad ein Foto für deinen Blog?

Genau, alle Rezepte inkl. Foto sind von mir. Alles ist von mir selber gekocht und somit getestet und geprüft, und auch angepasst für die Allergien.

Man findet also auch viele Rezepte bei Allergien und Unverträglichkeiten?

Genau, das war für mich der zentrale Punkt. Ich fand heraus, dass ich Gluten nicht vertrage, und eine Zeit lang vertrug ich auch Laktose schlecht. Diese zwei Unverträglichkeiten zeigen sich ja häufig zusammen, wenn das System nicht funktioniert. Somit habe ich diese Lebensmittel immer mit einem Sternchen für mich gekennzeichnet, wenn z.B. irgendwo Weizen drin war.

Weizenmehl zum Beispiel habe ich dann für mich ersetzt mit einer glutenfreien Mehlmischung oder z.B. mit Reismehl. Dies habe ich dann jeweils unten am Rezept so vermerkt, damit auch andere Leute mit Allergien und Unverträglichkeiten dies simpel anpassen können und somit Ideen haben, wie sie sich im Alltag Mahlzeiten zubereiten können.

Und wie bist du auf den Namen La Gourmerina gekommen, hat sich das so ergeben?

Das war noch in der Unizeit. 2011 beschloss ich, dass ich diesen Rezepteblog machen möchte. Und ich suchte einen passenden Namen für meinen Blog. Da mich die kulinarische Welt sehr interessiert und beeindruckt hat, war für mich klar, dass das Wort Gourmet beim Namen drin sein muss. Und dann noch mein Vorname Irina… Während einer Vorlesung an der Uni sprach ich mit einer Freundin von mir darüber, und wir kamen – dank ihr – auf diesen Namen.

Ich habe gesehen, dass man auf deinem Blog auch noch anderes findet ausser Rezepte, nämlich Wissen über Ernährung allgemein. Was findet man alles auf deinem Blog?

Das hat sich auch so entwickelt. Ich hatte Psychologie studiert. Für mich ist klar, dass Körper, Geist und Seele zusammenhängen und die Ernährung da einen grossen Einfluss hat. Der Spruch „man ist, was man isst“ stimmt meiner Meinung nach. Daher wollte ich die Ernährung in meiner Arbeit verknüpfen und entschied mich, mich zusätzlich in Ernährung auszubilden (Anm. d. R.: CAS in Nutrition for Disease Prevention and Health an der ETH Zürich).

Ich merkte, dass das Wissen, das ich nun an der ETH erlangt habe, die Menschen in meinem Umfeld auch interessiert und für sie wichtig ist. Daher habe ich den Blog nebst den Rezepten noch etwas ausgeweitet mit Wissen über Ernährung. Ich poste für mich wichtige und spannende Infos, oder auch Infos, die mir andere Leute weitergeben.

Findet man auf deinem Blog jede Woche neue Rezepte bzw. Informationen?

Ja, jeden Sonntag schicke ich ein Journal per Mail mit aktuellen Rezepten. Mir ist wichtig, dass meine Rezepte mit saisonalen Lebensmittel zubereitet werden. Es sind immer noch alles Rezepte von Freunden oder Bekannten. Rezepte von Freunden für Freunde war ja der Ursprung. Das versuche ich auch weiterhin so zu handhaben, es steht auch immer bei den Rezepten von wem sie sind.

Kann man sich für dieses Journal anmelden auf deiner Homepage?

Genau, auf www.lagourmerina.ch, dort kann man „Journal abonnieren“ anklicken und sich eintragen und erhält dann die Rezepte jeden Sonntag. Inklusive etwas Inspiration für den Alltag und mit Wissenswertem zum Thema Ernährung. Kürzlich schrieb ich z.B. über Sprossen, wie man diese selber ziehen kann.

Was bedeutet für dich persönlich eine gesunde Ernährung?

Eine gesunde Ernährung ist für mich, dass man bereits bei der Wahl der Lebensmittel darauf achtet, dass man naturbelassene Nahrungsmittel verwendet. D.h. darauf achten, dass diese biologisch angebaut und ohne Schadstoffe/Farbstoffe/E-Stoffe hergestellt sind. Denn Zusatzstoffe gehen auch durch den Körper und es kann anstrengend für ihn sein, diese verarbeiten und abbauen zu müssen. Zudem ist es mir wichtig, vollwertige Kost zu geniessen, d.h. das volle Korn zu verwenden, so wie es auch wächst.

Wieviel Zeit verwendest du persönlich jeden Tag zum Kochen?

Ujjj, das ist eine gute Frage. Das ist sehr unterschiedlich. Wenn ich ein Rezept ausprobiere, brauche ich mehr Zeit. Ich verwende keine Fertigprodukte mehr, d.h. ich koche immer bzw. täglich selber – ich mache es ja mittlerweile auch sehr gerne -, ausser wenn ich im Restaurant esse. Ich bereite mir auch jeden Morgen mein Müesli frisch zu. Manchmal koche ich auch eine grössere Menge, damit ich die nächsten Tage nicht kochen muss. Eine Zeitangabe ist schwierig, da jedes Rezept unterschiedliche Zeit in Anspruch nimmt. Doch ich denke zwischen 15 Minuten und 2 Stunden täglich schwinge ich den Kochlöffel.

Was würdest du Menschen sagen, die kaum Zeit zum kochen haben?

Wenn man etwas nicht so gut kann und es nicht so kennt, ist es ja oft schwer dort einen Zugang zu finden. Ich persönlich wurde fast dazu gezwungen, weil ich so Verdauungsbeschwerden hatte und diese Schmerzen nicht mehr wollte und daher eine Lösung finden musste. Wenn man eine solche Motivation nicht und auch kein Bedürfnis und keine Lust zum Kochen hat, finde ich es noch schwierig, jemandem zu sagen, mach das doch.

Ich selber finde es faszinierend und finde es sehr lässig. Ich bin ein sehr neugieriger Mensch. Ich finde es spannend, wenn ich etwas zusammenmische und koche, welcher Geschmack dann entsteht. Oder was ich wie verändern kann, damit es anders schmeckt. Und ich möchte mir persönlich etwas Gutes tun, und für mein Gespür und für meinen Körper sensibel sein. Das finde ich eine spannende Reise.

Ich hoffe ich kann andere Menschen dazu motivieren, das einmal selber auszuprobieren. Zum Beispiel sich einmal zu achten, was passiert, wenn ich einen Jogurt selber mit Honig mische, wie geht es mir nach dem Essen? Oder wenn ich einen Jogurt mit Honig kaufe, ist der Geschmack anders? Gemeinsam kochen finde ich auch etwas tolles. Mir wäre es wichtig, dass das Thema Essen nicht einfach „schnell schnell“ ist, sondern einen Stellenwert bekommt. Man macht es schliesslich mindestens drei mal am Tag.

Du hast mir am Anfang gesagt, dass du vor deinem Kochblog nicht wirklich gut kochen konntest? Wenn jemand sagt, er könne nicht kochen, würdest du sagen, das kann man lernen?

Ja, man kann es definitiv lernen, ich bin ein gutes Beispiel dafür. Ich konnte früher nicht einmal ein Spiegelei selber zubereiten. Und ich hatte auch keine Freude am Kochen. Auch heute lasse ich mich immer noch sehr gerne bekochen. Ich bin nicht die Person, die als erste losrennt, wenns ums Kochen geht.

Das Gute an meinem Blog ist, dass die Rezepte so aufgebaut sind, dass man einfach folgen kann, Schritt für Schritt, und das Menu funktioniert. Man braucht keine Kochkenntnisse. Es ist einfach erklärt und es sind keine komplizierten Rezepte.

Ich konnte das auch noch grad testen beim Event, den ich gemacht habe „Cook ’n‘ Flirt“. Dort haben die Personen die Rezepte nachgekocht und ich sah, dass es bestens funktioniert und man die Rezepte versteht.

Am besten sich einfach mal etwas Zeit freischaufeln und dann ein Rezept ausprobieren. Man muss sich selber die Zeit nehmen zum Kochen, es wird dir niemand Zeit geben und dir sagen, so jetzt solltest du mal kochen. Ich finde es lohnt sich!

Du hast den Event erwähnt, „Cook ’n‘ Flirt“… was war das für ein Event?

Ich habe für Singles einen Event organisiert, den es auch weiterhin geben wird. Man kann sich als Single anmelden und dann wird zusammen gekocht. Am Ende ergibt es ein ganzes Menu, das man zusammen kocht. Bis zu 8 Frauen und Männer können teilnehmen. Paarweise wird gekocht. Die Frauen rotieren weiter, so dass sich jeweils alle kennenlernen können. Am Schluss isst man noch gemeinsam. Es war ein toller Event. Man hat bei diesem Event die Möglichkeit, sich auf einem anderen Weg kennenzulernen, das Kochen schafft eine ungezwungene Atmosphäre.

Und, hast du gehört, ob sich die ersten schon verliebt haben?

Ich habe noch nicht nachgefragt. Aber es gab „Matches“, das fand ich sehr toll. Am Schluss gibt man an, wen man wiedersehen möchte. Im Nachhinein werden die E-Mailadressen ausgetauscht, wenn es Übereinstimmungen gab. Wie es nach dem Event weitergeht, hat dann jeder selber in der Hand.

Welche Utensilien sollte man unbedingt daheim in der Küche haben, um deine Rezepte zubereiten zu können?

Ein Messer um die Zutaten zu schneiden, eine Pfanne (ausser man macht ein Rohkostrezept, dies findet man auch auf dem Blog) und einen Kochlöffel sowie die Lebensmittel. Das ist eigentlich schon alles. Es gibt natürlich Dinge die das Kochen vereinfachen, zum Beispiel einen Handmixer, um zum Beispiel Suppe zu pürieren. Ich selber habe ohne grosse Küchengeräte angefangen.

Hast du mittlerweile ein Lieblingsutensil in deiner Küche?

Eine neue Errungenschaft ist eine Flockenpresse. Ich presse mir nun selber aus dem vollen Korn meine Haferflocken. Geschmacklich ist das wirklich total etwas anderes als gekaufte Haferflocken, ich hätte das nicht gedacht. Ich habe eine sehr kleine Küche und die ist recht überstellt mit Sachen.

Was ist dein Ziel mit deinem Blog?

Ich fände es sehr schön, wenn ich die Leute mit dem Kochen inspirieren und sie dadurch in diese Welt eintauchen lassen kann. Damit die Leute auch etwas ein Gespür erhalten für den eigenen Körper, weil man den oft etwas vergisst. Das habe ich in meiner persönlichen Geschichte erfahren.

Ich hatte es etwas vergessen meinen Körper miteinzubeziehen. Und ich merke wie wichtig es ist, behutsam und liebevoll mit dem eigenen Körper umzugehen, und ihn auch zu ernähren. Den Leuten, die Allergien oder Unverträglichkeiten haben, möchte ich die Freude am Essen zurückzugeben. Es geht auch mit Allergien. Und vielleicht kann man auch wieder gesund werden. Es ist Arbeit, aber es lohnt sich.

Zudem Inspiration und Wissen über all die Lebensmittel zu teilen, weil es so viel Spannendes und Wichtiges gibt. Ich finde es toll, wenn ich da eine Plattform schaffen kann, wo auch andere Leute spannende Dinge teilen können.

Liebe La Gourmerina, herzlichen Dank für das Interview und deine wertvolle Zeit.

Ich danke dir liebe Anna, es hat viel Spass gemacht.


Über La Gourmerina

La Gourmerina führt seit 2011 einen Kochblog mit Rezepten und Wissen rund um Ernährung. Und bietet Koch-, Ernährungskurse und Ernährungsberatungen an.

Hinter La Gourmerina steckt Irina Simonett. Sie hat in Bern Psychologie studiert und sich an der ETH Zürich in Ernährung weiter gebildet (CAS in Nutrition for Disease Prevention and Health).

In ihrer Arbeit als Psychotherapeutin bezieht Irina auch die Ernährung mit ein, da sie das Gleichgewicht zwischen Körper, Geist und Seele als zentralen Punkt ansieht, und überzeugt ist, dass man durch eine passende und bewusste Ernährung sein Körpergefühl verbessern und Krankheiten vorbeugen oder sich besser davon erholen kann.

http://www.lagourmerina.ch/

https://www.cooknflirt.ch

Irina Simonett

Foto: Irina Simonett

Anna Hirsiger

Bei Anna steht deine Gesundheit im Zentrum. Als Ernährungscoach und Homöopathin unterstützt sie dich dabei, deine Gesundheit zu verbessern. Natürlich - ganzheitlich.

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