Umgang mit Krankheit. Was kann man tun, um besser mit chronischer Krankheit umgehen zu können? Teil 1 – Hingabe

März 29, 2021

Umgang mit Krankheit - eine tägliche Herausforderung

Herzlichen Dank

Zuallererst möchte ich dem Unternehmen Procurement Partner meinen herzlichen Dank aussprechen: Diese Blogreihe wurde von ihnen unterstützt.

Jedes Jahr unterstützen sie ein Projekt, das ihnen am Herzen liegt. Im 2020 haben sie sich für das Thema chronische Krankheiten entschieden. Warum, und wieso ich das Glück habe, dass sie meinen Blog unterstützen, das liest du hier in ihrem Blog.

Es ist mir eine Freude, dass ich diese Blogreihe schreiben darf. Ich hoffe, sie möge den einem oder anderen Menschen mit chronischer Krankheit ein Quäntchen helfen oder einen neuen Input geben.

Das Inhaltsverzeichnis ist verlinkt. Das heisst, du kannst auf einen Titel klicken um direkt zum entsprechenden Abschnitt zu gelangen.

Der Umgang mit Krankheit ist eine grosse Herausforderung

Umgang mit Krankheit - eine tägliche Herausforderung

Viele Menschen, die selber unter einer chronischen Krankheit leiden oder jemanden im näheren Umfeld haben, der an einer chronischen Krankheit leidet, wissen, wie sehr dies einem das Leben und den Alltag durcheinanderbringen kann.

Der Umgang mit Krankheit ist eine grosse Herausforderung.

Plötzlich funktioniert man nicht mehr, wie man das gewohnt ist, und wie es andere von einem gewohnt sind. Man hat vielleicht Schmerzen, die einem die Konzentration und den Fokus rauben. Oder man fühlt sich müde, so dass man sich kaum bewegen mag. Die Symptome können einem zum Verzweifeln bringen. Und auch die besten Therapien und medizinischen Behandlungen schlagen vielleicht nicht an. Und die erhoffte Verbesserung und Linderung lässt auf sich warten.

Man weiss manchmal nicht, wie man gewisse Tage überstehen soll. Und trotzdem, irgendwie muss es weitergehen, immer und immer wieder. Jeder Tag kann so von neuem eine Herausforderung sein.

In dieser Blogreihe (Teil 1 – 3) möchte ich dieses Thema etwas näher aufgreifen. Was kann man tun, wenn man chronisch krank ist, um trotzdem ein möglichst erfülltes Leben zu leben? Was sind hilfreich Tools, die man für sich nutzen kann? Wie kann man sich selber stärken, um besser mit der Situation umgehen zu können? Wie kann man seinen Weg positiv beeinflussen?

Meine eigenen Erfahrungen im Umgang mit Krankheit

Natürlich habe ich nicht die Antwort auf alle diese Fragen. Aber ich berichte dir gerne von einigen meiner ganz persönlichen Erfahrungen, die ich im Umgang mit Krankheit, konkreter mit der chronischen Krankheit CFS / ME (Chronic Fatigue Syndrom / Myalgische Enzephalomyelitis) in den letzten 19 Jahren gemacht habe. Was CFS / ME genau ist? Dazu findest du Infos in diesem Blog.

Ich kann dir erzählen, was mir persönlich geholfen hat, wie ich damit umgegangen bin und immer noch damit umgehe.

Und falls dir das ein Quäntchen nutzt oder was bringt, dann freut mich das sehr und mein Ziel dieser Blogreihe ist erreicht. 

Ein erster wichtiger Schritt, der mir persönlich im Umgang mit Krankheit geholfen hat

In diesem ersten Teil geht es um einen ersten wichtigen Schritt, der mir persönlich im Umgang mit Krankheit sehr geholfen hat… aber nun von vorne.

Der Umgang mit Krankheit ist eine grosse Herausforderung

Ich weiss noch gut, als ich im 2008 ziemlich notfallmässig ins Krankenhaus kam. Ich hatte bereits seit ungefähr sieben Jahren ein CFS / ME und war an einem Punkt angekommen, wo es gar nicht mehr ging. 

Ich konnte nicht mehr, ich lag daheim und hatte null Kraft für irgendwas. Ich war zu müde, um vom Sofa auf die Toilette zu gehen. Und ich sah keine Verbesserung, schon über so eine lange Zeit, was mich zusätzlich enorm herunterzog. Kurz gesagt, es war die pure Verzweiflung.

Mein Arzt wies mich dann für zwei Wochen in eine Komplentärabteilung eines Krankenhauses ein (ja, ich wollte unbedingt auf eine Komplementärabteilung). Ich war voller Hoffnung, dass mir vielleicht dort geholfen werden konnte und man endlich herausfand, was die Ursache meiner chronischen Erschöpfung war (ich hatte zwar bereits die Diagnose CFS / ME, aber damals war noch etwas weniger darüber bekannt als heute).

Ich war 27 Jahre jung und wollte endlich mein Leben leben. Ich hatte so viele Pläne und Ideen. Ich wollte reisen, die Welt entdecken, meine Freunde treffen, meine beruflichen Ausbildungen machen und so vieles mehr. Und ich wusste nicht, wie lange ich diese Erschöpfung noch ertragen konnte.

Aber ja, auch im Krankenhaus stellte sich nach zwei Wochen stationärem Aufenthalt die totale Ernüchterung ein, obwohl ich intensiv und gut betreut wurde. Mein Zustand hatte sich nicht gebessert, trotz Infusionen und vielen Behandlungen, die ich erhielt. Die Ärzte sahen zwar meinen schlechten Zustand, waren aber ratlos, wie sie mir helfen konnten.

Der Abend vor meiner Entlassung

Ich erinnere mich, wie ich am Abend vor meiner Entlassung im Krankenbett lag und voller Verzweiflung weinte. Wie sollte es bloss weitergehen, wenn mir selbst die Abteilung für innere Medizin und Komplementärmedizin in einem angesehenen Krankenhaus nicht weiterhelfen konnte? Ich fühlte mich alleine, verloren, hoffnungslos und verzweifelt. Ich hatte nirgendwo halt.

Eine Therapeutin, die im Krankenhaus arbeitete und mich die zwei Wochen immer mal wieder gesehen hatte, kam dann an mein Bett und setzte sich. Ehrlich gesagt wollte ich einfach nur hören, dass mir jemand sagt, es komme schon wieder gut und es würde irgendwann sicher besser werden. Sie sagte das aber nicht. Sie gab mir ein Blatt mit dem Ergebenheitsgebet von Rudolf Steiner in die Hand (es war eine Anthroposophische Komplementärabteilung).

…Was auch immer kommt, was mir die nächste Stunde, der nächste Tag bringen mag: ich kann es zunächst, wenn es mir ganz unbekannt ist, durch keine Furcht ändern.

Ich erwarte es mit vollkommenster innerer Seelenruhe, mit vollkommener Meeresstille des Gemüts. Durch Angst und Furcht wird unsere Entwicklung gehemmt. Wir weisen durch Wellen der Furcht und Angst zurück, was in unsere Seele aus der Zukunft heran will. Die Hingabe an das, was man göttliche Weisheit in den Ereignissen nennt; Die Gewissheit, dass das was kommen wird, sein muss, und dass es auch nach irgendeiner Richtung seine guten Wirkungen haben müsste: das Hervorrufen dieser Stimmung in Worte, in Empfindungen, in Ideen, das ist die Stimmung des Ergebenheitsgebetes.

Es gehört zu dem, was wir in dieser Zeit lernen müssen: Aus reinem Vertrauen zu leben, ohne Daseinssicherung, aus dem Vertrauen auf die immer gegenwärtige Hilfe der geistigen Welt.

Wahrhaftig, anders geht es heute nicht, wenn der Mut nicht sinken soll. Nehmen wir unseren Willen gehörig in Zucht, und suchen wir die Erweckung von innen jeden Morgen und jeden Abend!

Rudolf Steiner

Ich las es.

Aber ganz ehrlich, es war schwierig für mich.

Weil ich war immer noch in einer Phase, wo ich diese Krankheit und mein Weg mit ihr nicht akzeptieren konnte und wollte. Mein Umgang mit Krankheit war ein ziemlicher Kampf. Ich war sicher, einfach nur genug lange suchen und eine Lösung finden zu müssen, damit es mir endlich besser ging. Ich war jung, ich wollte das volle Leben spüren. Aber darüber habe ich ja bereits mal länger geschrieben.

Ich nahm das Gebet mit.

Ich habe es heute, zwölf Jahre später, immer noch.

Umgang mit Krankheit: Hingabe und Akzeptanz

Heute weiss ich für mich, dieses Ergebenheitsgebet bringt es ziemlich genau auf den Punkt. Wenn sich etwas grad nicht ändern lässt, ist das Einzige, was man tun kann, sich der Situation hinzugeben.

Und zwar jeden Tag aufs Neue. Immer und immer wieder. Seien es den Schmerzen, oder der Müdigkeit, oder was auch immer einem zu schaffen macht.

Und ja, manchmal ist das viel einfacher gesagt als getan, aber schlussendlich kam ich immer wieder darauf zurück.

Mich hat es viel viel und noch mehr Übung gebraucht, mich dieser Krankheit hinzugeben. Immer und immer wieder habe ich das geübt. Wenn ich tagelang nur liegen konnte, kaum Kraft hatte aufzustehen. Wenn ich nicht wusste, wie es weitergehen sollte. Und wenn ich nicht wusste, wie ich das aushalten sollte, ohne zu verzweifeln. Ich lag da, und habe immer wieder versucht, mich dem Zustand hinzugeben. Es tönt einfach, war es für mich aber nicht. Es war ein regelrechter Prozess. Und es gelang mir immer etwas besser.

Heute bin ich im Umgang mit Krankheit recht geübt (Jep, hat lange gedauert, grins). Das Einzige, was mir über viele Jahre blieb, war die Hingabe. Die Akzeptanz, das es ist, wie es ist.

Was nicht bedeutet, dass ich es gut fand, wie es ist. Aber ich begann, mich hinzugeben, und weniger dagegen anzukämpfen. Den Moment anzunehmen. Kämpfen braucht so viel Energie, und die hatte ich ja gar nicht. Kämpfen löst so viel Stress aus, weil es dir immer sagt, der jetzige Moment ist nicht gut. Aber wir haben nur den jetzigen Moment.

Hingabe bedeutet für mich nicht, dass man die Hoffnung und den Glauben aufgibt, dass irgend mal andere Zeiten kommen (aber über die Hoffnung geht es im zweiten Teil dieser Blogserie). Aber es bedeutet, mit dem aktuellen Moment im Frieden zu sein. Und das ist entspannend und heilsam, für unser ganzes Wesen.

Hingabe für das, was grad ist

Mein erster Tipp ist also: Hingabe und Akzeptant. Für alles, was grad ist und was diese Situation mit sich bringt. Es kann dir helfen, besser mit einer chronischen Krankheit umzugehen. Bei mir war das jedenfalls so.

Wenn dir die Hingabe schwerfällt, könnte es helfen, dir das Gedicht immer wieder bewusst vorzulesen. Ich finde, man nimmt auch beim fünfzigsten Durchlesen nochmals was neues wahr, denn es steckt so viel Essenz in diesem Text.

Und falls dir dieses Ergebenheitsgebet von Rudolf Steiner nicht entspricht, dann suche dir doch ein Gebet oder Gedicht, dass zu dir passt.

Es gibt zum Beispiel auch dieses bekannte Gelassenheitsgebet vom Theologen Reinhold Niebuhr, das genau in dieselbe Richtung geht:

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Reinhold Niebuhr

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