Chronic Fatigue Syndrom (CFS / ME) und Freundschaft: Wie ist es für Freunde, wenn die Freundin ein CFS hat?

Mai 7, 2021

Chronic Fatigue Syndrom und Freundschaften

Chronic Fatigue Syndrom - Was bedeutet diese Krankheit für Familie und Freunde?

In dieser Blogreihe geht es um Familie, Angehörige und Freunde von mir, also von mir als Betroffene vom Chronic Fatigue Syndrom (CFS / ME), zu Deutsch: Chronisches Müdigkeitssyndrom.

Die Krankheit Chronic Fatigue Syndrom bringt nicht nur für direkt Betroffene einen Haufen an Herausforderungen mit sich, sondern auch für Familie, Angehörige und Freunde. Daher ist es mir wichtig, auch diese Seite etwas näher zu beleuchten, was ich in immer mal wieder tun werde.

In den ersten zwei Blogs dieser Reihe, welche im November 2020 erschienen sind, gab ich das Wort meinem Mann Jonathan (Teil 1 und Teil 2).

Heute geht es um eine meiner besten Freundinnen, Manuela Ernst:

More...

Magst du dich kurz vorstellen?

Ich heisse Manuela Ernst, bin 38 Jahre alt, arbeite beim Schweizerischen Roten Kreuz im Migrationsbereich und wohne mit meinem Partner in der Nähe von Bern.

Wie ist es für dich, mit einer Betroffenen vom Chronic Fatigue Syndrom (CFS/ ME) befreundet zu sein?

Ich kenne Anna, seit ich 15 bin – wir haben uns im Gymnasium kennengelernt und sind nun seit über 20 Jahren gute Freundinnen. In vielerlei Hinsicht ist es wie jede andere gute Freundschaft: Wir teilen unsere Freuden und Sorgen und versuchen für einander da zu sein in schwierigen Zeiten.

Dass Anna vom Chronic Fatigue Syndrom betroffen ist, hat insofern einen Einfluss auf unsere Freundschaft, als dass wir vieles nicht gemeinsam erleben können, was vielleicht mit anderen Freundinnen und Freunden möglich ist: Feste feiern oder Reisen planen ist schwierig, und wenn man sich zum Kaffee trifft, muss man bis kurz vor dem Treffen damit rechnen, dass Anna kurzfristig absagen muss, da sie zu wenig Energie hat.

Für mich selber ist dies grundsätzlich natürlich nicht einschränkend – ich kann ja mit anderen Freundinnen und Freunden die Dinge unternehmen, die mit Anna nicht möglich sind, und wenn Anna kurzfristig absagt, dann nutze ich die Zeit halt einfach für etwas anderes.

Das Schwierige ist aber auszuhalten, dass es ihr immer wieder gesundheitlich so schlecht geht und dass sie deswegen ans Bett gefesselt ist. Das macht einen auch als Freundin ohnmächtig.

Was sind Herausforderungen, die eine solche Freundschaft mit sich bringt? Was ist das Schwierigste daran?

Das Schwierigste ist, die Ungerechtigkeit auszuhalten, dass ich so viel Glück hatte und gesund bin, während Anna auf so vieles verzichten muss. Und das Gefühl, nicht wirklich helfen zu können. Man kann zwar da sein, zuhören und immer mal wieder versuchen, Mut zu machen, aber im Grunde ist man ohnmächtig.

Auch fühle ich mich manchmal schlecht, wenn ich Anna von meinen eigenen Reisen, von beruflichen Herausforderungen oder von privaten Erlebnissen erzähle, im vollen Bewusstsein, dass sie selber dies nicht erleben kann, obwohl sie ja auch einfach ein normales Leben führen möchte.

Gleichzeitig denke ich auch, dass es wichtig ist, dass eine Freundschaft nie von Mitleid dominiert wird, sondern immer ein Verhältnis auf Augenhöhe bleibt. Ich bin auch sicher, dass vom Chronic Fatigue Syndrom Betroffene nicht bemitleidet werden möchten – wichtig ist einfach das Verständnis für ihre ganz spezielle Situation.

Hat es auch Vorteile, gibt es Sachen, die positiv sind? Vielleicht hast du zum Beispiel Sachen oder Momente erlebt, die du sonst nicht erlebt hättest?

Ich konnte von Anna in all diesen Jahren sehr viel lernen – ihr Durchhaltevermögen und ihre Fähigkeit, trotz aller Widrigkeiten immer wieder das Positive zu sehen, optimistisch in die Zukunft zu blicken und sich an den kleinen Dingen zu freuen, ist absolut beeindruckend. Da könnten sich viele ein Stück abschneiden.

Und vielleicht ist unsere Freundschaft ja genau deshalb seit langen Jahren so tief, weil sie sich «aufs Wesentliche» beschränken muss, zumal viele gemeinsame Aktivitäten nicht möglich sind.

Welchen Tipp kannst du allgemein Angehörigen und Freunden von chronisch kranken Menschen und insbesondere Angehörigen von Chronic Fatigue Syndrom Betroffenen (CFS / ME) geben?

Ich denke, es ist wichtig, dass man solche Menschen immer weiterhin als Menschen sieht, und nicht als Kranke. Die Krankheit ist ja nur ein Teil ihres Lebens, im Vordergrund steht aber so viel anderes, und dies sollte auch weiterhin im Vordergrund bleiben.

Auch mit vom Chronic Fatigue Syndrom Betroffenen ist es möglich, vieles zu erleben, wenn man sich ein bisschen nach ihren Energiereserven und ihrem Rhythmus richtet. Schlussendlich bleiben sie unsere Freundinnen, Ehemänner, Kinder oder Geschwister – Krankheit hin oder her.

Manu, ich danke dir für deine Zeit und deine Offenheit, und vor allem für unsere wunderbare Freundschaft!

Weitere Infos zum Chronic Fatigue Syndrom (CFS / ME)

Falls du auf der Suche nach mehr Infos über das Chronic Fatigue Syndrom bist, findest du unter diesen drei Links hilfreiche Infos: 

{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}

Ähnliche Beiträge

Mai 12, 2022

April 20, 2022

April 15, 2022

März 17, 2022

Nichts mehr verpassen! Newsletter abonnieren

>